Wie in einem Graduate-Studium üblich, wird sehr viel Eigenarbeit verlangt. Eine Professorin hat geschätzt, dass man zusätzlich zu den 2h Vorlesung/Woche noch 6-8h Lesen einplanen sollte. Ich brauche wahrscheinlich noch etwas länger, weil ich die Fachtexte in Englisch dann doch nicht so schnell lese wie ein Muttersprachler. Zusätzlich steht jeweils eine Hausarbeit zur Mitte des Semesters und eine Prüfung oder eine umfangreichere Hausarbeit zum Semesterende an sowie ein bis zwei Präsentationen pro Kurs...So allmählich verstehe ich auch, warum für Erstsemester (wie in meinem Fall) 3 Kurse und sonst 4 Kurse pro Semester empfohlen werden. Ich dachte erst, das sei ganz schön wenig, aber da steckt schon gut Arbeit drin. 4 Kurse wären zwar bestimmt auch im ersten Semester schon machbar gewesen, aber so viele kriege ich von Fulbright sowieso nicht bezahlt...so hab ich immerhin genug Luft, um mich zu orientieren :-)
Ich werd versuchen, ob ich beim "Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations" als associate editor mitarbeiten darf - das ist vom Format her eher ein Buch als ein Magazin, das halbjährlich mit einer Auflage von 8000 Exemplaren erscheint und anscheinend in Fachkreisen recht hoch angesehen ist. Das wäre journalistische Erfahrung bei einem Fachmagazin, schon alleine deshalb interessant. UND es könnte eventuell ein Job für nächstes Jahr dabei rauskommen - wenn es sehr gut läuft, aber versuchen kann man's schließlich mal :-)
Neben den ernsthaften Veranstaltungen gab es diese Woche auch eine ganze Reihe erfreulicher "sozialer Events"...
- Donnerstag abends treffen sich die Diplomacy Graduate Studenten immer in einer (eigentlich "der", so viele gibts nicht...) Kneipe in South Orange. Da bin ich diese Woche gleich mal hin, hab sehr viele Leute kennen gelernt, bin sehr spät ins Bett gekommen :-)
- Am Freitag war von der Uni aus die offizielle Orientierungsveranstaltung für neue Graduate Studenten, inkl. anschließendem Barbecue. Wieder sehr viele Leute getroffen und schon ein paar Gesichter und Namen gekannt (!). Es ist sogar noch eine Deutsche in meinem Programm...Isabel hat aber schon 6 Jahre in Chicago gewohnt, ist also mit amerikanischen Gepflogenheiten und vor allem der Sprache schon sehr vertraut :-) Wir haben uns gleich abends getroffen, um zusammen echt deutschen Kartoffelsalat (Mama's Rezept!) zu machen, für das...
- ...zweite Barbecue des Wochenendes, am Samstag nachmittag, diesmal privat organisiert von Diplomacy Graduates. Wieder sehr viele Leute getroffen, die Zahl der bekannten Leute nimmt rapide zu - es ist anstrengend, so viele neue Gesichter und Namen zu behalten. Aber mit der Zeit klappt das auch... Es ist zum Glück keiner beleidigt, wenn man ihn/sie das zweite Mal nach dem Namen fragen muss ;-) Danach waren wir dann noch Billard spielen und danach wiederum hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, die Whitecastle-Fastfood-Kette kennen zu lernen. Aber nur, weil McDonalds und Burger King um 2 Uhr nachts "schon" zu hatten und die anderen noch unbedingt etwas essen wollten. Also rein ins Ghetto Newark... um das "Fast"Food zu kriegen, standen wir ungefähr eine halbe Stunde mit dem MiniCooper in der Schlange am DriveIn-Schalter. Vor und hinter uns Autos im "Gangsta"-Style, manche davon haben stark an amerikanische Rapvideos erinnert, nur billiger ;-) Und das Essen dort ist....naja...matschig und geschmackfrei :-/
- Und am Sonntag bin ich dann nach Manhattan gefahren, erst ein kleines bisschen einkaufen, dann in Richtung East Village, wo das Sommertreffen der Fulbrighter stattfand. Also Fulbrightstudenten, -scholars und Ehemalige...hab ein paar der Leute wiedergefunden, die ich noch aus der Vorbereitungstagung in Jena kenne und - mal wieder - viele viele neue interessante Menschen getroffen, email Adressen ausgetauscht usw... Das Ganze fand tatsächlich auf einem Friedhof statt... ich hab erst gestutzt als ich das gelesen hab - ob wir uns wohl schwarz anziehen und bleich schminken sollten? Es handelt sich aber um den - schon im 19. Jh stillgelegten - New York Marble Cemetery, der normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist, inmitten dieser sehr urbanen New Yorker Gegend eine kleine, versteckte grüne Oase darstellt und anscheinend gerne für Veranstaltungen dieser Art genutzt wird... Trotzdem hat uns dieser etwas "andere" Veranstaltungsort gleich auf die Idee einer Halloweenparty gebracht ;-)


Zusammenfassend ist zu sagen, dass besonders die Diplomacy Graduates eine sehr nette Gruppe zu sein scheinen ("nett" im positiven Sinne, Marco! ;-) ) , es ist leicht, dort Leute kennen zu lernen und diejenigen, die in der Gegend wohnen bzw. diejenigen, die nicht noch nebenher arbeiten legen anscheinend auch viel Wert darauf, außerhalb der Uni etwas zu unternehmen. Es ist eine sehr gemischte Gruppe - von ernsthaft/karriereorientiert über gemütlich bis hin zu chaotisch/durchgeknallt ist alles dabei! Bin mal sehr gespannt, mit wem davon ich in Zukunft wohl mehr zu tun haben werde! :-)


